Glarner Seniorenverband in Bad Säckingen

90 Glarnerinnen und Glarner lassen 100 Luftballone steigen

von Peter Meier

Der Glarner Seniorenverband bietet einmal pro Monat eine Veranstaltung an.  Der Einladung zu einem Tag m grenznahen Bad Säckingen leisteten neunzig Mitglieder Folge. An diesem Tag stimmte alles  zu-sammen.  Beginnend mit den sorgsam lenkenden Chauffeuren der Carunternehmungen Tödi – Reisen und Niederer, dem meistens nicht allzu heissen Wetter,  den anschliessenden, spannenden Führungen mit gar kundig und liebenswürdig erläuternden Gastgebern aus Säckingen, der Aufwartung des standes-gerecht fast echten Trompeters der gemütlichen Stadt am Rhein. Das zeitlich kurz bemessene Lädälä am Nachmittag, das Verweilen im sorgsam gepflegten Schlosspark und die vielen munteren Gespräche unter den Teilnehmenden oder mit weiteren Personen schlossen an. Der Näfelser Fridolin Hauser (Fridli Osterhazy), Vorstandsmitglied des Seniorenverbandes, hatte sein „Heimspiel“ umsichtig und mit spür-barer Beschwingtheit vorbereitet.

 

Los ging es am eher frühen Morgen. Pünktlich wurden alle abgeholt. Reibungslos war die Fahrt samt Kaffeehalt in Brunegg. Schon erhielt man erste willkommene Informationen zu Säckingen, einer Stadt, die mit unserem Kanton, schwergewichtig mit Näfels, seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden ist. Dass wir Glarner ursprünglich Säckinger waren, wussten nur wenige. Sage und Realität vermischten sich zuweilen – aber das macht die Spannung eines Geschehens nun mal aus !

 

Die Sage von Ursus, Landolf und Fridolin, ein Erbstreit, das Erheben des Ursus aus dem Grab, nachdem ihn Fridolin gerufen hatte, der gemeinsame Gang zum achtzig Kilometer entfernten Gerichtsort und das gute Ende führten dazu, dass der gottesfürchtige Fridolin dafür sorgte, dass das Land dem Kloster Säckingen zugeschlagen wurde. Damit ist auch erklärt, weshalb Fridolin auf dem glarnerischen Wappen prangt. Mit dem Eintreiben des Zehnten waren die habsburgischen Vögte beauftragt. Die Konflikte endeten bekanntlich mit der Schlacht bei Näfels. Die Verbundenheit mit der Aebtissin von Säckingen blieb. Heute noch pilgern Glarnerinnen und Glarner an die Stadt am Hochrhein. Einst lag sie auf einer Insel. Das endete mit dem Zuschütten eines Rheinarms. 1988 gründete Näfels mit Säckingen eine Part-nerschaft, die aktuell an Glarus Nord übergegangen ist. Alljährlich besucht eine glarnerische Delegation das Fridolinsfest in Säckingen. Gegenrecht besteht mit dem Besuch der Leute aus Säckingen anlässlich der jeweiligen Näfelser Fahrt.

 

In der Ankündigung zu diesem Tagesausflug war von der hübschen Stadt am Rhein mit Fridolinsmünster, der längsten Holzbrücke Europas -  über den Rhein - natürlich dem legendären Trompeter, seinem Schloss samt prächtigem Park und anderem die Rede.

 

Umfangreiches Material – Infos über Europas längste Holzbrücke, das St. Fridolinsmünster, den Trompeter von Säckingen samt Liedern des Katers Hiddigeigei und das Werden der Stadt – gelangte im Car zur Verteilung, so konnte man sich schon mal einstimmen.

 

Am Beginn der Holzbrücke stand Karl Braun bereit. Er wusste einfach alles und führte kenntnisreich, mit feinem Humor und seinem klugen Beschränken auf Wesentliches über die Brücke Richtung Münster. Einst verbanden zwei Brücken den Ort mit den beiden Ufern. Mehrmals wurde die Holzbrücke wegge-schwemmt (Hochwasser, Eisgang) Das Bauwerk war oft gefährdet. Stets bildeten Brücken- und Rheinzoll bedeutende Einnahmequellen. Die heutige Brücke steht auf sieben Steinpfeilern. Teile davon wurden in verschiedenen Kriegen mehrfach zerstört. So mussten nach dem Bau des Rheinkraftwerks und der Ver-tiefung des Flussbetts die alten Pfeiler neu fundiert und verstärkt werden, dies zwischen 1960 – 1963. Die genau 206,51 m lange Brücke verbindet das schweizerische Stein mit Säckingen, sie ist zwischen 3,4 bis 5,0 m breit, diente einst den Pilgerströmen und ist heute den Fussgängern und Velofahrenden vorbehalten. Verbaut wurden Eichen- und Fichtenholz.. Es ist die echt längste derartige Brücke in ganz Europa. Deren erste Erwähnung fällt ins Jahr 1270.

 

Das St. Fridolinsmünster – damit wurde wieder näher an Glarnerisches gerückt – ist mit seinen baro-cken Zwiebeltürmen ein weitherum sichtbares Baudenkmal. Die Kirche wurde 1272 bei einem Stadtbrand vernichtet. Die gotischen Türme wurden mehrmals erhöht. Auffallend sind die schlanken, langen Chorfenster. Die Zwiebeltürme entstanden zwischen 1725 – 1727.  Beeindruckend ist der Hochalter Auf dem Hauptgemälde des Tessiner Künstlers Francesco Antonio Giorgioli ist Maria mit dem Kinde zu sehen. Der Heilige Hilarius reicht dem Heiligen Fridolin den Abtstab. Die Krypta gilt als älteste noch erhaltene Bausubstanz. Aus dem 10./11. Jahrhundert. Der Steinsarg mit den Gebeinen des Heiligen Fridolin war gegenüber dem Altar aufgestellt. Zu  dessen Ehren wurde ein passender Reliquienschrein erstellt. Vollendet wurde er 1764. Die imposante Orgel stammt aus dem Jahre 1933, sie umfasst drei Manuale mit 57 Registern und ist in Anlehnung an eine frühere barocke Ausführung gebaut worden. Die Fridolinsprozession findet jeweils am Sonntag nach dem 6. März statt.

 

Um den Trompeter von Säckingen spannen sich leidenschaftliche Geschichten, voller Liebe, Musik, Scheffelscher Dichtkunst, Kater Hiddigeigei und immenser Popularität. Noch heute tritt der Trompeter auf – wann immer gewünscht. Auch die glarnerischen Senioren empfingen ihn mit gar grossem,  herz-lichem Beifall, nachdem sie vom stellvertretenden Bürgermeister Wolfgang Lücker; Winfried  Ays, Präsi-dent des Freundeskreises Näfels / Glarus und Werner Rauscher, ehemals Präsident des Kirchgemeinde-rates Säckingen und Mann der ersten Stunde anlässlich der Gründung der Partnerschaft gar herzlich und mit kurzen Wortmeldungen begrüsst worden waren.

 

Bald waren alle mit rot-weiss-schwarzen Ballonen (Glarner und Säckinger Farben) ausgerüstet, die auf Kommando in den blauen Sommerhimmel stiegen – und wenig später ging es wieder zurück ins Glarnerland. (pm.)

Text und Bilder Peter Meier

1. Reihe: links: Gedeckte Holzbrücke über den Rhein, rechts: Karl Braun, "wandelndes Lexikon von Bad

   Säckingen",  macht uns mit Bad Säckingen vertraut, und Fridli Hauser, im Auftrag des Vorstandes des

   Glarner Seniorenverbandes.

2. Reihe: linkls: Fridolinsmünster. 90 Glarner Seniorinnen und Senioren lauschen den Ausführungen von

    Karl Braun, der über profundes vielseitiges Wissen verfügt, rechts: Fridolin und Ursus-Statuen hoch

    an der Fassade der Münsterfront.

3. Reihe: links: der heutige "Trompeter von Säckingen" (Hans Blum), er wurde zu mehreren Zugaben her-

    ausgeklatscht, Mitte: Sankt Fridolin, Statue im Fridolinsmünster mit dem Leitspruch: "Lebet nach dem

    Evanglie Jesu Christi, das Ich dahier zuerst verkündet! Diess euer Heil!", rechts: Trompeterstatue im

    sehr gepflegten, herrlichen Park des Schlosses Schönau (Trompeterschloss).

4. Reihe:  Links: Blick in den Schlosspark; rechts:. Alte gedeckte Rheinbrücke als Briefmarkenmotiv.

5. Reihe: Haus Werner Dietz mit "Fridolinsankunft" an der Häuserfront (zwei Bilder)

6. Reihe: Links Grossaufnahme "Fridolinsankungt" oder "Fridolins auf dem Floss"; rechts: Schnappschuss

    vom Spaziergang durch die Innenstadt Bad Säckingen

7. Reihe: Links: Unsere Reisegesellschaft auf dem Münstplatz; rechts: Karl Braun im Element "Was der

    alles weiss!"

8. Reihe: Links: Fridolinsmünster Innenaufnahme; rechts: Fridolinsschrein (Er wird am Fridolinsfest von

    acht Männern in der grossen Fridolinsprozession durch die Innenstadt getragen. Wiegt über 300 kg.

 

(Die Bilder Reihe 5 stammen vom Bad Säckingen Tourismus)

...und weitere Bilder von Elsbeth Bäbler sollen hier einen Platz finden und die Betrachter erfreuen!

 

Bilder:

1. Reihe: Links: Karl Braun empfängt uns auf der Schweizerseite des Rheins in Stein/Säckingen rechts: die Brücke ist überquert, wir befinden uns auf dem Bad Säckinger Pflaster.

2. Reihe: Links: Münsterplatz. Karl Braun erklärt die Münsterfassade; rechts: Unter dem Schattendach des Restaurants "Hiddigeigei" gibt es zu Mittag.

3. Reihe:  Links: Zum Essen gab's auch "Spätzle"; rechts: Im Park des Schlosses Schönau bot eine Pavillon Schatten vor der brennenden Säckinger Sonne.

 

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