"Dä Revisor" - Die Seniorenbühne Zürich gastiert in Glarus

Text und Bild von Peter Meier

Seit mehreren Jahren gastieren die Mitglieder der seit 1975 bestehenden, schweizweit ältesten Seniorenbühne Zürich mit dem jeweiligen Stück im Fridolinsheim Glarus. Stets sind die Aufführungen restlos ausverkauft. Angeboten war diesmal die Mundartfassung «Dä Revisor»; ein Geschehen, das einst Nikolaj Gogol geschrieben hatte. Die Mitglieder des aus zehn Personen bestehenden Ensembles gestalteten wortreich, willkommen wirblig und mit professionellem Engagement, gekonnt und sehr situationsgerecht.

Begrüsst wurden alle von Valerie Brand, die gerne auf stets verständnisvoll unterstützende Sponsoren hinwies und den verdienten Dank äusserte. Die Unterstützung ist derart, dass fürs kommende Jahr ein Wiedersehen erneut möglich wird.

Die Geschehnisse im Stück sind von beinahe zeitloser Aktualität, Korruption, Vetternwirtschaft, Betteleien, grossmauliges Gehabe, unverschämtes Betteln, ewiges Gemotze, Charmoffensiven, Ausspannen von Ehehälften, verräterische Briefinhalte, Verunglimpfungen, Tricksereien, seriöses Beamtentum, überkorrektes Anordnen – alles hat in diesem Stück Platz.

Die Geschehnisse kamen an, wurden mit viel Vergnügen und Anteilnahme mitverfolgt und verdient grossem Applaus verdankt. Marius Leutenegger, Regisseur der Seniorenbühne Zürich, hat die in vier Akten gespielte Komödie inszeniert und bearbeitet. Das Bühnenbild war auf ein Minimum beschränkt, was absolut sinnbringend war.

Es steht ein sichtlich nervöser Ortspräsident vor den Verantwortlichen des hohen Gerichts und des Spitals. Einbezogen sind zudem der Dorfpolizist, weitere Verantwortliche sowie Ehefrau und Tochter des Bürgermeisters. Erwartet wird der Revisor, der nach dem Rechten zu schauen, Unkorrektheiten aufzuklären und damit unsaubere Machenschaften möglichst vollständig zu erfassen hat – auf dass dann alles besser werde. Der Revisor reist inkognito. Er kommt unangemeldet. Und weil halt das eine oder andere nicht so ganz korrekt ablief, die Organisation des Gerichts leicht schräg in der Landschaft steht und die Ordnung im Spital enorm zu wünschen übrig lässt, stimmt der regierende Bürgermeister seine Leute ein. Es soll in seiner Gemeinde Ordnung herrschen, wenn der Revisor auftaucht. Denn er wird ja alles inspizieren und hinterfragen, Ungereimtheiten aufnehmen und weitermelden. Der Respekt und die Unsicherheit vor diesem Moment sind spürbar gross.

Und schon vernimmt man, dass da ein Unbekannter im Hotel logiere. Ist das der Revisor? Alle scharwenzeln um ihn rum, stellen sich und ihr Tun ins allergünstigste Licht, verwöhnen den ihnen unbekannte Gast nach allen Regeln der Kunst, geben ihm das Geld, das der auffallend oft und gar nicht unbescheiden verlangt. Die Frau des Bürgermeisters und deren Tochter erliegen seinem Charme in rekordverdächtigem Tempo. Dem unbekannten Fremden und seiner Begleitung geht es wieder besser. Die Schulden im Hotel könnten dem Logisgeber zurückerstattet werden, die Qualität des Essens steigt gewaltig. Schon fast standesgemäss wird bald einmal über Kutschenfahrten und Beziehungen am Hof und in Dichterkreisen geredet. Der vermeintliche Revisor – Hochstapler der raffinierteren Art – geniesst das Wohlwollen und führt sich weltmännisch auf. Das geht gut, bis der Polizist mit einem Brief auftaucht und zu zitieren beginnt, was der Umworbene zum Besten gibt, wie er sich über alle lustig macht, sie durch den Dreck zieht. Es ist ein rundum böses Erwachen. Glücklicherweise ist der elend freche Hochstapler samt seiner Dienerin schon abgereist. Einige nehmen sich an der eigenen Nase – weshalb hat niemand Verdacht geschöpft? Aber die Komödie ist noch nicht zu Ende – nun kommt wieder ein Unbekannter; es ist wohl der richtige Revisor.

 

Das Geschehen wurde in gar vergnüglicher und echt gekonnter Art ausgespielt. Alles kam mit beeindruckender Eleganz und ungemein variantenreich einher. Das Stück war klug gewählt und kam an.

Quelle: Glarus24